Die Feuer-Tradition

Auch wenn es so klingen mag, es soll hier keine Tradition bewertet, sondern ein Gefühl vermittelt werden. Ähnlich eines Schauspielers, über dessen Rolle man witzelt, bleibt der Mensch dahinter davon unberührt.

Der Feuer-Weg ist ein äußerst ernstes Unterfangen in jeder Beziehung: was den Weg als solches angeht, die Praktiken und oft auch was die Hierarchie der Lehrer-Schüler-Beziehung anbelangt. Letzteres gilt besonders innerhalb der Kampfkunst. Die Schüler des Feuer-Pfades zeigen sich sehr ehrgeizig und sind meistens äußerst eifrig bei der Sache. Oft sogar mehr als ihnen gut tut. Jede Form des Asketismus oder das zu lange Sitzen im Zen-Buddhismus zählen dazu. Es wird gerne über die körperlichen Grenzen gegangen, wenn es dem Ziel nützlich ist. Buddha selbst hat in seiner Anfangszeit extremen Asketismus betrieben, hat aber später in seiner Weisheit den mittleren Pfad gelehrt.

Die taoistische Feuer-Tradition zeichnet sich durch äußerst komplexe Techniken aus. Einer der bekanntesten Vertreter der taoistischen Feuer-Tradition im Westen ist Mantak Chia. Seine Bücher spiegeln die Feuer-Qualität gut wieder.

Mit Hilfe von Visualisierung schickt der Geist die Energie auf alle möglichen vorgegebenen Bahnen. Der Anfang stellt dabei der „Kleine Energie-Kreislauf“ dar [siehe Bild]. Das Ende bildet der Aufbau des Lichtkörpers, der als nachhaltiger Träger für das Bewusstsein dient. Dazwischen gibt es eine große Vielzahl von Techniken der Reinigung, Gesundheit, Transformation, des Schutzes, doch vorrangig für den Aufbau von Energie. Die Feuer-Schule betont nicht nur das Bewahren des Chi, sondern vor allem dessen Vermehrung; oft vorrangig für die Entwicklung diverser Fähigkeiten. Man möchte nicht warten, dass etwas passiert, sondern möchte es willentlich passieren lassen. Was nicht verkehrt sein muss. Dem gegenüber hat man beim Wasser-Weg fast das Gefühl, es würde etwas naiv zur Sache gehen. Manchmal jedoch wird sich bei den vielen Feuer-Techniken nicht genug Zeit gegeben, um energetisch als auch charakterlich mit zuwachsen. Denn Chi ist Lebenskraft. Je mehr Chi, desto mehr Leben, desto mehr Leidenschaft ist im Spiel, die gelenkt werden muss. Andererseits ist es möglich, über die Feuer-Techniken in kurzer Zeit sehr viel Energie aufzubauen. Was man sich durch aus zu nutzen machen kann. Wie gesagt, ist keiner der Wege des Feuers oder Wassers besser oder schlechter. Der Weg des Wassers ist sanft, der Weg des Feuers ist aktiv. Es sind die zwei Seiten einer Münze, die dem Prinzip von Yin und Yang entsprechen.

Ein Beispiel: Nehmen wir das bekannte Bauchgefühl. Man kann einfach unbedarft üben und plötzlich gelangt es in die Wahrnehmung, weil sich tatsächlich etwas geändert hat. Weder hat man es erhofft noch forciert. Es ist einfach da. Oder, man visualisiert es eifrig, bis man etwas fühlt. Da man es aber ständig selbst in Gedanken produziert hat, könnte es auch nur eine Täuschung der Wahrnehmung sein, besonders dann, wenn es nur da ist, wenn man seine Aufmerksamkeit darauf gerichtet hält. In der Wasser-Tradition greift man den Dingen selten vor, sondern lässt sie zu einem kommen. Was eventuell länger dauern kann, erst recht, weil man ja gar nicht weiss, was da kommt. Andererseits ist die Freude groß, was immer da gekommen ist. In der Feuer-Tradition liegt es in den spezialisierten Techniken, was kommen soll. Man arbeitet sehr gezielt und kommt dadurch eventuell schneller an sein angestrebtes Ziel.

Den Feuer-Weg kennzeichnet:
• ein aktiver Wille und gezielte Absichten
• eine große Vielfalt an spezialisierten Techniken
• Visualisation - das Arbeiten mit der Vorstellungskraft

Wohl sind die Feuer- und Wasser-Traditionen von unterschiedlicher Art. Das taoistische Ziel der Vollkommenheit ist aber das Gleiche. Das Gros der Adepten beginnt sogar mit Feuer-Techniken, genau weil dieser Weg so ist, wie er ist. Man sollte sich jedoch stets bewusst sein, dass Energie nicht nur den Körper, sondern auch das Bewusstsein durchdringt. Jede energetische Manipulation kann daher auf lange Sicht gewollte, aber auch ungewollte Veränderungen im komplexen Sein eines Menschen herbeiführen, ganz der Weisheit des Praktizierenden selbst. Dies trifft besonders dann zu, wenn Veränderungen beschleunigt werden möchten.

Es ist nicht leicht, entspannt zu sein, wenn man viel tut.

Der Feuer-Weg des Tao entspricht dem eines ehrgeizigen Jugendlichen, der sich Fähigkeiten wünscht. Der Wasser-Weg ist der eines in die Jahregekommenden, der in seiner Weisheit nach Harmonie strebt und ihren Wert über alles schätzt.

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