Push-Hands (Tui-Shou)

Push-Hands ist der Begriff für die Partnerübungen im Taijiquan.

Mit dem Partner hat man die Gelegenheit, sich in der Anwendung der Techniken zu üben. Normalerweise beginnt man mit dem Erlernen der Form, bis die grundlegenden Bewegungsabläufe verinnerlicht sind. Und nur hier und da können dabei Techniken für den Einsteiger mit dem Partner demonstriert werden, damit der Sinn der Bewegungen: Blocks, Angriffe, Hebel etc. nachvollziehbar wird. Es wird jedoch ausdrücklich empfohlen, solange mit dem Push-Hand-Training zu warten, bis das Verständnis für die Grundidee des Taijiquan - das Weiche besiegt das Harte - bzw. die richtige Art der Entspannung körperlich sichtbar wird. (siehe inhaltlich unter Formen)

Hier wird ein interessantes Thema angeschnitten: Die Stufen und Schwerpunkte im Taijiquan. Erstens die Form, zweitens die Partnerübung. Im Mittelpunkt dieses Themas stehen Geduld und plötzliche Schübe der Entwicklung, die durch eine Konvergenz im Wachstum von Körper und Geist entstehen. Push-Hands bilden den Übergang zwischen Form und Kampf, wobei dem Kampf-Aspekt nicht unbedingt viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Es dauert sehr lange bis ein Niveau erreicht wird, auf dem sinnvoll zu zweit geübt werden kann. Es ist so, weil es viel leichter ist, Spannung zu erzeugen als zu lösen - besonders in der Aktivität und unter persönlichem Druck. Meister Cheng Man-Ching sprach sich einmal darüber aus, wie wenige seiner Schüler trotz seiner Bemühungen, die richtige Entspannung zum Ausdruck brachten. In einem seiner Bücher schrieb er dazu, wenn man endlich weiß, worum es im Leben geht, ist es ein großer Segen, wenn einem noch genügend Zeit bleibt, es zu genießen.

Das Wichtigste bei den Partnerübungen im Taiji ist, dass mit dem Partner geübt wird und nicht gegen ihn. Der englische Begriff pushen ist leicht irreführend, denn weder soll der Partner weggedrückt werden, noch wird sich herumgerangelt oder gezogen. Man übt lediglich mit einem leichten Kontakt.

Bei den Push-Hands macht sich die taoistische Wasser-Tradition bemerkbar, deren Wesensmerkmal es ist, die Wahrnehmung zu schulen. Die erste Stufe der Push-Hands ist es, Entspannung zu demonstrieren und der Interaktion, die durch die eigenen Bewegungen und die des Partners entsteht, zu folgen. Wie unter Innere und äußere Stile erwähnt, ist das Taijiquan eine defensive Kampfkunst, die auf Angriffe reagiert. Taijiquan ist daher ein Infight-System, d.h. die Techniken sind für einen direkten Kontakt mit dem Gegner vorgesehen. Im Gegensatz dazu sind die meisten äußeren Stile Out-Fight-Systeme mit Techniken über kürzere oder längere Angriffs-Distanz. Die Interpretation des Gegenübers stellt daher eine der höchsten Künste im Taijiquan dar und erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Intuition auf immer feineren Ebenen.

Hierzu gibt es einen erstaunlichen Bericht der Yang-Familie. Yang Jian-Hou, der zweite Sohn von Yang Luchan, soll in der Lage gewesen sein, einem Sperling auf seiner Hand es unmöglich zu machen aufzufliegen. Jedes Mal, wenn der kleine Vogel zum Abflug ansetzte, gab Jian-Hou mit seiner Hand leicht nach und entzog im den nötigen Widerstand, um sich abzudrücken. Das konnte er offenbar nur wegen seiner hoch entwickelten Sensibilität, Energien zu interpretieren.

Es ist dasselbe Wunder und unangenehme Gefühl, die ein wahrer Meister vermittelt, wenn er seinem Gegenüber stets einen Schritt voraus ist und immer zu treffen scheint, wenn es gerade nicht erwartet wird.

Die Techniken als solches sind bei den Push-Hands genauso sekundär wie bei dem Formentraining. Alles dreht sich um Wahrnehmung und Sensibilität, um Energie Aufbau und Differenzierung. Es geht darum, Anspannungen zu lösen. Der größte Fehler, den man beim Üben mit dem Partner machen kann, ist, dass man ihn unbedingt besiegen will, wie es eben bei fast allen anderen Kampfkünsten der Fall ist. Es geht nicht darum, besser zu sein als der andere, sondern es geht darum, wer mehr Wahrnehmung umzusetzen versteht. Und so komisch es auch klingt, dies kann nur gelernt werden, wenn beide Partner zusammenarbeiten.

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