Inneres Taijiquan

Wenn Qigong das ganze Meer ist, so ist Taiji ein Tropfen darin.
Und obwohl nur ein Tropfen, so hat es doch seine ganze Tiefe.

Unabhängig vom Stil bilden zwei Aspekte das Fundament für das innere Taijiquan:

  1. Wie im Qigong, so bildet das innere Kultivieren des Chi das zentrale Thema. Dieser Schwerpunkt macht das Taijiquan zu einer inneren Kunst per se, als auch zu einer inneren Kampfkunst.
  2. Allen Bewegungen liegen verborgene energetische Eigenschaften zugrunde.
    Jede kleinste Bewegung folgt einer Absicht und soll sowohl innerlich als auch körperlich begleitet werden. Bewußtsein, Bewegung und Energie bilden eine feste Einheit. Alle Körperteile müssen in Einklang gebracht werden mit dem Geist und dem jeweiligen Energiecharakter einer Technik oder Bewegungsfolge. Zum Beispiel ist der Praktizierende zu Beginn in allen Bewegungen bestrebt, eine innere Stabilität beizubehalten, sowohl körperlich wie auch geistig. Das bedeutet, „im Bauch“ zu sein, fest verwurzelt, geistig und körperlich entspannt.

Das Gesicht des äußeren Taiji ist wie ein Tanz, anmutig und schön. Die Bewegungen stehen für sich selbst. Schon hier vollbringt das Prinzip der Entspannung des Taiji kleine Wunder.

Im inneren Taiji offenbart sich in jeder Bewegung die gesamte Lehre des Chi. Alles dreht sich um die Feinabstimmung von Körperbewegung, Lebensströme, Atmung und Bewußtsein. Auf diese Weise wird im Inneren die Harmonie von Körper und Geist geschaffen. Um diesen hohen Grad an Perfektion zu erreichen, dienen die sogenannten inneren Prinzipien als Leitfaden.

In den inneren Prinzipien verbirgt sich die Verwirklichung aller subtilen Ziele von Körper und Geist:

  • in jeder Bewegung zunächst einmal alle Körperteile im Hinblick auf die Technik zu koordinieren
  • Chi im Unterbauch zu sammeln und bis tief in das Mark der Knochen zu verankern
  • Chi bewußt durch den Körper zu lenken, sowie durch die Kraft des Chi zu heilen
  • das sanfte Chi in eine physische Kraft umzuwandeln und nach außen zu senden

Hinzu kommen die taoistischen Grundgedanken, die dem Taijiquan innewohnen: Die inneren Künste, in denen es sich um die Handhabung der inneren Chi-Kraft dreht, unterliegen alle der Reinheit des Geistes. Deshalb führen die inneren Prinzipien zu weiteren Veränderungen mentaler und spiritueller Natur. Auf diese Weise kann die physische Körperkraft der Jugend durch die sanfte Chi-Kraft eines älteren Weisen übertroffen werden.

Selbst unter den alten Taoisten, die sich fernab jeglichen Kampfes dem reinen Weg der Lebenskraft und der Harmonie verschrieben haben, gilt das Übungssystem des Taijiquan als brilliant und hoch entwickelt. Sie üben es oft und gerne. Einige der großen Taoisten wurden oft Meister des einen oder anderen inneren Stils oder waren sogar deren Stammhalter.

Es heißt, Taiji ist so fein wie ein sanfter Wind. Der ganze Körper mag sich nach seinem Rhythmus zu bewegen. Eine einzige vollendete Bewegung bringt die Harmonie zurück und kann die ganze Welt enthalten.

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