über äußere und innere Stile

„Stehe wie ein Baum und bewege dich wie eine Welle.“

Die größte Revolution des Taijiquan ist, dass die Körperkraft durch den Geist ersetzt werden kann.
Wie weit mußte der Weg sein, um in diese neue Welt hervorzudringen? Wie kompromisslos mußte sich derjenige von der Natur des Menschen und seinem Hang zur Muskelkraft abwenden, um zu erkennen, dass dahinter eine viel größere Kraft aus dem Geist hervorgeht?

Der Unterschied zwischen äußeren und inneren Stilen der Kampfkunst ist, wie der Körper sich bewegt, um Kraft zu erzeugen.

Die Äußeren Stile wie Karate, Taekwondo, Shaolin Gungfu, Boxen, Thai- & Kickboxing, etc. setzen mehr auf vorgefertigte Angriffskombinationen und Abhärtung und sind von ihrer Grundeinstellung daher offensiv. Man wartet nicht erst auf den Angriff des Gegners, sondern kommt ihm mit maximaler Härte zuvor. Der physische Körper wird trainiert, bis er einer uneinnehmbaren Burg gleicht. Der Kämpfer soll möglichst autark und unabhängig sein. Seine Fähigkeiten basieren auf Schnelligkeit, Muskelstärke, Ausdauer und Widerstandskraft. Darum heißt es: Die äußere Schule entwickelt Sehnen, Knochen und Haut, die innere Schule entwickelt das Chi.

Die Internen Stile sind dem gegenüber viel entspannter. Entspannung schenkt Freiheit auf gegnerische Angriffe zu reagieren, darum sind die inneren Stile mehr auf Verteidigung ausgerichtet. Während das Konzept der äußeren Schule Kraft ist, setzen die inneren Schulen auf das Konzept der Entspannung und somit auf den inneren Energie-Aspekt. Der Verzicht auf Körperkraft und die Entstehung physischer Chi-Kraft ist ein Kunstschritt an sich. Entsprechend dem Prinzip des Taiji von Yin und Yang wird viel Aufmerksamkeit auf die Balance von Anspannung und Entspannung gelegt. Eine entspannte Haltung läßt die Energie besser fließen und nur am Austrittspunkt wird aus ihr kurz eine äußere Kraft - ähnlich des Schwungs einer Peitsche. In den inneren Stilen wird viel Wert darauf gelegt, wie man sich und seine Umgebung in die Krafterzeugung einbezieht, z.B. den Boden als Kraftquelle nutzt, wie man die Energie durch den Körper leitet etc.. Unter Einsatz des ganzen Körpers wird die Energie im Yin-Zustand über sanfte spiralförmige Bewegungen durch den Körper geleitet und erst am Endpunkt in einem kurzen Yang-Ausdruck freigesetzt. Anschließend wechselt man wieder in den Entspannungszustand. Dabei wird nicht nur der Faust Aufmerksamkeit geschenkt, sondern der subtilen Qualität jedes einzelnden Körperteils im Hinblick auf die Gesamtbewegung. Bewegt sich ein Teil, bewegt sich alles. Bewegung, Entspannung, Gleichgewicht und Ganzheit sind die großen Konzepte der inneren Kunst.

Da dies gleichfalls Konzepte des Lebens sind, wirkt sich das Taijiquan so gut auf die Gesundheit aus. Dies trifft zu, je mehr ein Stil zur inneren Kunst hin tendiert.

‹‹Auf der Welt gibt es nichts,
was weicher und dünner ist als Wasser.
Doch um Hartes und Starres zu bezwingen,
kommt nichts diesem gleich.

Dass das Schwache das Starke besiegt,
das Harte dem Weichen unterliegt,
jeder weiss es, doch keiner handelt danach.››

Laotse

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