Taoismus

Die Lehre vom Tao kennt keine Doktrin.
Jeder, der dieser Lehre folgt, ist nur seiner individuellen Natur
und Wahrnehmung verpflichtet.
Er kennt keine begrifflichen oder ideellen Grenzen.
Derjenige, der dieser Lehre folgt, praktiziert die Selbstkultivierung
und verwirklicht das Tao.
Er ist nicht getrennt von der Welt, denn das Tao ist im Alltag.
Dies ist der Weg des Tao.

Während sich Qigong allumfassend mit der Lebensenergie selbst befasst, schaut der Taoismus als Religion, wie man die Kräfte des Lebens nutzbar macht, um sich spirituell zu entwickeln. Während Qigong sich um die Gesundheit des Menschen bemüht - langes Leben und Gesundheit - , sucht der Taoismus nach geistiger Unsterblichkeit. Eine Existenz, ewig und unsterblich, durch Weisheit geschaffen. Heute sind die taoistischen Ansichten fester Bestandteil des Qigong, auch wenn sie selten vermittelt werden. Letztlich ist Qigong die Lehre vom Chi, die im Kontext des Tao erst ihren Sinn erhält.

Wie alle Religionen verfolgt auch der Taoismus eine bestimmte Form der Vollkommenheit. Auf der Suche nach Unsterblichkeit drangen die Urbegründer - unter ihnen der gelbe Kaiser (Huang Ti, ca 2500 v. Chr.) - immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens hinein. Sie erkannten den geistigen Aspekt in allem und verstanden es, die Kräfte der Natur mit den Eigenen zu verbinden. Dies folgt der Erkenntnis, das wahre Gesundheit sowohl ethische als auch soziale Aspekte in sich tragen muss. Die Gesundheit des Einzelnen sollte getragen werden von dem Heil des Ganzen. Dabei ist die Natur das Vorbild, in der alles in Harmonie miteinander verbunden ist. Einfachheit und Natürlichkeit sind die höchsten Tugenden des Taoisten. Die Aspekte der Gesundheit machten den Taoismus bis heute äußerst populär. Die tiefe Weisheit von so herausragenden Persönlichkeiten wie Lao Tse (570-490 v. Chr.) und Konfuzius (551-478 v. Chr) - die einem Jesus oder Buddha gleichen - liessen das taoistische Gedankengut zu einem festen Bestandteil der chinesischen Kultur werden und beeinflussten lange Zeit alle sozialen und politischen Strukturen des Landes. Doch die Welt wandelte sich. Wie alle Religionen und Philosophien stand auch der Taoismus unter dem Geschehen des wandelnden Zeitgeistes. Harmonie wurde zur Seltenheit und die Menschen zeigten sich gegenüber dem Prinzip des Friedens äußerst resistent. So trieb es die praktizierenden Taoisten der inneren Alchemie immer wieder in die Einsamkeit, um dort ungehindert mit der Natur aller Dinge eins zu werden. Auf diese Weise wurde das Wissen über die Jahrtausende erhalten.

Die Welt des Taoismus ist voller Schönheit, Energie und Lebendigkeit. Seine ganze Vermittlung ist von der inneren Weisheit des Taoismus berührt. Allein ihre Lehreinheiten - angereichert mit Gleichnissen, Aphorismen und farbigen Bildern - vermögen den Zuhörer zu inspirieren und in eine blühende Welt zu tragen. Die Praktiken haben sich durch die Jahrtausende bewährt. Wie keine andere Religion hat der Taoismus es geschafft, einen technischen Weg der Vergeistigung (siehe Nejingtu - Weg des Tao) des Menschen hervorzubringen.

Aber was immer man auch über den Taoismus schreiben könnte, lernt man ihn doch am besten kennen, wenn man ihn zu Worte kommen lässt. Es folgt ein Auszug aus dem Buch „Der Taoismus“ von John Blofeld, in dem ein taoistischer Weiser über den Kern der Lehre referiert:

«Das tao ist ein sanft leuchtendes Meer reinster Leere, ein perlmutt-schimmernder Nebel, grenzenlos und unbefleckt. Geboren aus diesem Meer umwinden sich spielend zwei Drachen (yang und yin) - der männliche, hell wie die Sonne, mit goldenen, feurigen Schuppen, Meister der Aktivität und der weibliche, strahlend wie der Mond, mit silbern glänzenden Schuppen, Meister der Passivität. Ihr Zusammenwirken bringt die Rhythmen zyklischen Wechsels hervor: die Bewegungen der Planeten, das Fortschreiten der Jahreszeiten, den Wechsel von Tag und Nacht. Aus ihrem Spiel entstehen fünf leuchtende Dämpfe (wu hsing, die fünf Elemente), blau, rot und gelb, weiß und schwarz. Schattenwerfend, wirbelnd, ringend und sich vermischend, geben sie dem Firmament seine Wölbung, der Erde ihre vier Seiten, den zehntausend Dingen ihre vergängliche Gestalt. Wie Regen ergiessen sich aus dem Himmel die drei wolkengleichen Essenzen (drei Schätze) des yang, wie Nebel erheben sich von der Erde die drei Essenzen des yin, treffen aufeinander und vermischen sich. So ist es, seit Himmel und Erde bestehen. Dies ist die ursprüngliche Vollkommenheit.

Blind gegenüber der Vollkommenheit, leben die Menschen im Dunkel. Verschlossen gegenüber der Weisheit des tao, verfolgen sie unwürdige Ziele, häufen Gold auf Gold, Jade auf Jade, streiten um Wohlstand, Ruhm, Macht und Rang. Die sechs Tore der Sinne öffnend, stürzen sie sich in törichte Protzerei und verschwenderischen Luxus. Doch gibt es einige, die um den Wert des Lehrens ohne Worte wissen, die wissen, wie man die Kunst pflegt, der Natur ihren Lauf zu lassen (wu wei). Die unsicheren Zinnen des Ruhmes und die Fesseln des Reichtums meidend, nehmen sie Abschied von allen Kümmernissen und durchwandern einsame Täler fernab menschlicher Siedlungen oder sitzen in Kontemplation, um sich in das Zusammenspiel der leuchtenden Dämpfe zu versenken. Frei von Leidenschaft und zügellosem Verlangen sammeln sie in Stille die wolkengleichen kosmischen Essenzen, mischen sie mit den geheimen Schätzen ihres Körpers und merken auf das Licht in ihrem Innern (geheime Alchimie). Im Gleichklang mit den Rhythmen der Natur erkennen sie die Vollkommenheit des tao. Das sind die Menschen, die Unsterblichkeit erreichen. Zu Recht werden sie Unsterbliche genannt; denn sowie die Zeit reif ist, springen sie auf der Drachen Rücken, steigen auf von der Erde, betreten, ohne zu zaudern, das Tor des Himmels, um geschwind zum Ursprung zu gelangen. So kehren sie zurück, indem sie das mild leuchtende Meer verzückt durchfliegen. Da sie nun selbst ewig und grenzenlos sind, tauchen sie ein in das Nichts.»

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