Bewegtes Qigong

Der Atem bewegt den Körper.
Atmung und Bewegung lenken das Chi.

Dies ist der erste von zwei energetischen Leitsätzen. Er bildet die Grundlage jeder Qigong-Praxis in der Bewegung. Gemäß der zwei Leitsätze könnte man Qigong generell in zwei Gruppen unterteilen:

1. Bewegtes Qigong - jegliche Chi-Arbeit mit körperlichem Einsatz
2. Stilles Qigong - das ohne körperliche Bewegung auskommt

Zum bewegten Qigong gehören z.B. die bekannten 5 Tibeter Übungen, die Do-In-Praxis und eine große Vielfalt von Bewegungen und Formen. Jede Bewegungspraxis, die philosophisch das Chi mit einbezieht, könnte man als eine Praxis des bewegten Qigongs bezeichnen. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man zwischen:

• bewußt-gelenkter Bewegung – jedem vorgegebenem Bewegungs-Ablauf (Formen)
• Chi-gelenkte Bewegung – Übungen, bei denen das Chi selber die spontane Führung übernimmt
• freie Bewegung – z.B. eine Art frei-improvisierter Qigong-Tanz

Sie alle haben ihren Nutzen. Doch ist es sinnvoll, sie nach inneren Kreterien zu unterscheiden: zwischen freier Selbst-Darstellung und einer überlieferten Qigong-Praxis, die der Wissenschaft des Chi und/oder taoistischen Gesichtspunkten unterliegt.

Was sollte bewegtes Qigong beinhalten?

• es sollte körperliche Gesundheit schenken
• die Vitalität stärken, das Chi mehren und stabilisieren
• emotionale Ausgeglichenheit wieder herstellen
• den Geist, die Gedanken und die Nerven beruhigen
• spirituelle Entwicklung fördern

Besonders der letzte Punkt ist entscheidend für alle Vorangegangenen. Eine geistige Weiterentwicklung ist verantwortlich für eine Veränderung im Denken, Fühlen und des Energie-Körper-Komplexes. Die geistige Entwicklung wiederum steht in Abhängigkeit von der spirituellen Reife – dem Wissen um die inneren Gesetzmäßigkeiten des Geistes und des Lebens.

Unter dieser Berücksichtigung gibt es dann doch nicht mehr ganz so viele Bewegungsabläufe. Entscheidend ist auch die Vermittlung. Die Form sollte in eine Art spirituelle Reise eingebunden sein, die sich in den Bewegungsabläufen wiederspiegelt. Gleichzeitig sollte der Ablauf gewissen inneren Richtlinien unterliegen. Dies können Taoistische sein, wie z.B. den 5 Elementen, dem Bagua, I-Ging* oder dem Meridiansystem innerhalb der Weisheit der chinesischen ganzheitlichen Medizin. Es könnten aber auch andere Weisheitslehren sein, die das Wissen der geistigen Evolution in sich tragen. Je tiefer das Wissen, dem eine Form zugrundeliegt, desto vielschichtiger und ganzheitlicher ist die Wirkung.

Was unterscheidet Qigong von Taijiquan?

Zunächst einmal ist Taijiquan eine Form bewegten Qigong, nur, dass Taijiquan den Geist des Kampfes mit einbezieht und physischen Nutzen aus dem Chi offenbaren möchte. Innerhalb des Qigong bildet das Taijiquan ein sehr ausgereiftes und äußerst weit entwickeltes Übungs-System.

Allerdings sind die Bewegungen im Taijiquan sehr komplex und von größter Wichtigkeit. Demgegenüber sind die Bewegungen des Qigong einfacher. Es besteht nicht zwangsläufig die Notwendigkeit akribischer Genauigkeit. Das hat den Vorteil, dass die Teilnehmer viel schneller in den Chi-Modus finden. Ohne das Wissen innerer Praktiken des Stillen Qigong wiederum, wird es ihnen schwerfallen, die Atmosphäre ohne die Gruppe und den Lehrer für sich alleine zu reproduzieren.

Taijiquan ist als Selbstpraxis erdacht, da es viel eigene Initiative und Motivation voraussetzt. Letztlich aber könnte es diese Selbstpraxis sein, die trotz eines längeren und schwierigeren Weg des Übens, schneller zu persönlichen Veränderungen führt.

Das größte Manko unserer Zeit ist aber die Zeit selbst. Wer nicht viel Zeit hat und lieber mitmachen und geniessen möchte, ist in einer Qigong-Gruppe gut aufgehoben. Die Bewegungen sind in der Regel sanft und unkompliziert und ein Chi-Erlebnis ist schnell zu erreichen. Es ist eine Freude, sich der Reise hinzugeben, zu der Sie das Qigong einlädt.

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